Albrecht Mayer - einer der Gefragtesten seines Fachs

VON LILIAN KLEMENT

MEININGEN - Wenn Väter über das musikalische Geschick ihrer Sprösslinge entscheiden, muss das nicht unbedingt von Nachteil sein. Albrecht Mayer jedenfalls hat es an das Instrument seiner Träume geführt. "Als ich zehn war, kam mein Vater eines Tages nach Hause, legte eine gebrauchte Oboe auf den Tisch - die hatte er von einem Patienten geschenkt bekommen - und sagte zu mir und meinem Bruder: So, das lernt ihr jetzt!"
"Ich weiß noch, wie neugierig ich darauf war und wie ich einfach voller Begeisterung anfing. Obwohl mein Lehrer damals gar nicht so sicher schien, denn ich war klein von Wuchs, und eine Oboe verlangt große physische Anstrengung. Nach zwei Jahren wusste ich, dass ich Musiker werden wollte, und zwar nur mit diesem Instrument", erzählt der Künstler, der seine Kindheit und Jugend in Bamberg verbrachte.
Ahnen konnte der Vater damals wohl nicht, welch weit reichende Bedeutung seine Order hatte. Und wohl schon gar nicht, dass Sohn Albrecht - 37 Jahre alt - eine steile Karriere machen würde. Heute gehört er zu den gefragtesten Oboisten seiner Generation. Schaut man auf die Vita des sympathisch offenen jungen Mannes, der dem renommiertesten deutschen Klangkörper als Solooboist - den Berliner Philharmonikern - angehört, dann sagt das eigentlich schon genug: Alle berühmten Werke für sein Instrument hat er bei namhaften Labels wie EMI oder Cavalli-recods eingespielt, Konzerte mit Nigel Kennedy, Sabine Meyer, Thomas Quasthoff, John Eliot Gardiner, Sir Simon Rattle gemacht. Mit Rattle, der ab Herbst neuer Chef der Berliner Philharmoniker wird, arbeitete er schon, als der noch gar nicht für Berlin zur Debatte stand. "Rattle ist ein außergewöhnlicher Mann, wahnsinnig penibel und effektiv."

Kaum zu glauben, dass Mayer schon zehn Jahre Solo-Oboist in Berlin ist. Damals, als er vom Bamberger Symphonieorchester wechselte - er ist noch heute stolz darauf, der erste Bamberger gewesen zu sein, der auch bei den Bambergern mitspielte - war er gerade 27 Jahre alt und einer der Jüngsten im elitären Berliner Kreis. Wie von null auf hundert kam ihm das vor. "Wenn man die Möglichkeit hat, auf eine Rakete aufzuspringen, dann kann man zweierlei tun." Mayer sprang auf, mit jugendlichem Mut, der Grenzen sprengt. Heute weht in Berlin längst eine andere Luft, fast die Hälfte der Musikerschar hat sich verjüngt. Schaut auch nach anderen Noten als den klassischen, nach Jazz beispielsweise oder Unterhaltungsmusik.
Ein Kritiker schrieb einmal, wenn Albrecht Mayer spiele, dann klinge das wie Gesang. Unrecht hat der Mann nicht, denn Mayer hat den Gesang im Blut. Als Kind im Bamberger Domchor, später unternahm er sogar einige ernsthafte Versuche einer Ausbildung. Mit Kollegen gründete er in Berlin ein Vokalquartett. Dass der Vergleich mit dem Gesang durchaus zutrifft, kann man heute im Meininger Konzert erfahren. Kirill Petrenko - sein letztes Konzert als GMD in Meiningen - hat ihn eingeladen und ihm die Stückwahl überlassen: Alois Zimmeranns selten zu hörendes Konzert für Oboe und Orchester. Schwer und deshalb reizvoll, sagt Mayer.

 

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